Die Abteilung für prächirurgische Epilepsie-Evaluation

Die Abteilung für prächirurgische Epilepsie-Evaluation

Unsere Abteilung ist auf die Diagnostik und Therapie von medikamentös nicht-kontrollierbaren Epilepsien spezialisiert. Dank einer engen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen der beiden Universitätsspitäler Genf und Lausanne steht die gesamte Palette der modernen Diagnostik und Therapie zur Verfügung. Seit Beginn unserer Arbeit sind bereits mehr als 600 Patienten evaluiert und grösstenteils auch operiert worden, davon etwa 40% Kinder und Jugendliche.

Was ist Epilepsie?

Von einer Epilepsie darf erst dann gesprochen werden, wenn mehrere epileptische Anfälle spontan auftreten. Sie ist eine relative häufige Krankheit: 0.5 - 1% der Bevölkerung leiden an Epilepsie, was in Europa etwa einer Zahl von 1.6 bis 3.2 Millionen entspricht! Sie betrifft häufig Kinder und jüngere Menschen, kann aber auch zu einem späteren Zeitpunkt, selbst im hohen Alter, erstmals auftreten. Es gibt viele Ursachen einer Epilepsie, und die sorgfältige Abklärung der Ursache ist entscheidend für die richtige Therapie. Glücklicherweise können die meisten epilepsiekranken Patienten durch Medikamente zufriedenstellend behandelt werden, d.h. es besteht komplette Anfallsfreiheit bzw. die restlichen Anfälle sind nicht störend im täglichen Leben. Dennoch treten in etwa 20% aller Fälle trotz korrekter Medikamenteneinnahme epileptische Anfälle auf, so dass in diesen Fällen alternative Therapiemöglichkeiten in Erwägung gezogen werden können, wie z.B. die chirurgische Epilepsietherapie.

Was ist Epilepsiechirurgie?

In vielen Fällen lässt sich trotz regelmässiger Einnahme eines oder sogar mehrerer Antiepileptika keine Anfallsfreiheit erreichen. Man spricht dann von einer Pharmakoresistenz. Einem Teil dieser Patienten kann durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff geholfen werden. Darunter versteht man die Entfernung von Hirngewebe mit dem Ziel der Anfallsfreiheit. Bevor der Eingriff durchgeführt werden kann, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • die genaue Lokalisation des Fokus
  • die Abgrenzung zu lebenswichtigen Hirnarealen (z.B. Sprachkortex)

Wann sollte eine wird eine stationäre Abklärung der Epilepsie in Erwägung gezogen?

  • wenn trotz regelmässiger Einnahme von mehreren Medikamenten- oder Medikamentenkombinationen keine Anfallsfreiheit erzielt wird,
  • wenn eine fokale Epilepsie sehr wahrscheinlich ist

Das Ziel der obengenannten Abklärungen ist immer die postoperative Anfallsfreiheit; in seltenen Fällen muss das Ziel jedoch vorsichtiger formuliert werden und  besteht eher darin, eine Anfallsreduzierung bzw. einer Verminderung der am meisten behindernden Anfälle (z.B. tägliche Sturzanfälle) zu erreichen.

Welche Untersuchungen umfasst die präoperative Abklärung?

Insgesamt gilt: je genauer der Fokus lokalisiert werden kann, desto höher sind die Chancen einer postoperativen Anfallsfreiheit - jedoch nur unter der Bedingung, dass der Fokus in resezierbarem Gewebe liegt. In den allermeisten Fällen sind nicht invasive Verfahren ausreichend, um die Diagnose zu stellen.

Diese umfasst:

  • Neurologische Untersuchung
  • Neuropsychologische Untersuchung
  • Langzeit Video-EEG-Aufzeichnung
  • Hochauflösendes Magnetresonanztomographie (MRT)
  • Nuklearmedizinische Verfahren (PET, SPECT)
  • Ergänzende bildgebende Verfahren auf der Basis einer MRT (z.B. Spektroskopie, funktionelles MRI).

Die Durchführung aller Untersuchungen sowie die Aufzeichnung mehrerer typischer Anfälle dauert etwa 1-2 Wochen und erfordert eine Hospitalisierung im Universitätspital Genf.

In 10-20% der Fälle kann der Fokus und/oder das funktionell wichtige angrenzende Hirnareal trotz dieser umfassenden Testbatterie nicht mit ausreichender Sicherheit identifiziert werden. In solchen Fällen wird dann eine invasive Abklärung empfohlen, d.h. die Anfälle werden mit Hilfe implantierter Elektroden (durch den Neurochirurgen) abgeleitet. In unserem Labor stehen alle invasiven Techniken zur Verfügung (subdurale Elektroden, Triefenelektroden, Foramen-ovale Elektroden), die ebenfalls die Bestimmung von funktionell wichtigen Hirnstrukturen erlauben.

Kontakt